Ich bin Medizin- und Bioethikerin mit philosophischen Wurzeln: Angewandte bioethische Problemstellungen bearbeite ich mit einer zugrundeliegenden Leidenschaft für philosophische Fragen. Meine Sonntage verbringe ich gerne mit feministischer Literatur. Und in meinem derzeitigen Forschungsprojekt am Institut für Ethik und Geschichte der Medizin der Universität Tübingen beschäftige ich mich mit Fragen der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Die Bereiche Bioethik, Feminismus und Digitalisierung in meiner Forschung zu verbinden, empfinde ich als sehr reizvoll und bin davon überzeugt, dass wir an den Schnittstellen dieser doch sehr unterschiedlichen Bereiche viel für das gesellschaftliche Zusammenleben lernen können.
Am Institut für Ethik und Geschichte der Medizin der Universität Tübingen untersuche ich derzeit ethische und soziale Dimensionen der Digitalisierung am Beispiel von auf Algorithmen basierenden Gesundheits-Apps. In diesem Kontext interessiert mich vor allem, inwiefern solche Techniken die Autonomie der Betroffenen beeinflussen können. Durch den Rückgriff auf philosophische und bioethische Autonomiekonzeptionen und mittels qualitativ-empirischer Methoden erforsche ich, zu welchen Verschiebungen der Gebrauch neuer technologischer Entwicklungen führen kann. Im Fokus meiner Projektarbeit steht, inwiefern die Nutzung von Gesundheits-Apps das Selbstverständnis von Ärzt*innen und Patient*innen tangiert und ob die Anwendung solcher Technologien die Ausbildung von Autonomie fördert oder ihr entgegensteht.
Das normative Konzept der Autonomie und seine Ausgestaltungen in der Philosophie und Bioethik faszinieren mich und begleiten meine Forschung. In meiner Doktorarbeit über soziale und ethische Implikationen seltener hereditärer chronischer Erkrankungen habe ich mich unter anderem den Fragen gewidmet, wie Autonomie und Moral zusammenhängen, ob Kollektive als moralische Subjekte verstanden werden können und wie sich Autonomie und moralische Verantwortung im Kontext von Patientengruppen zeigen. Am Beispiel von Patientenorganisationen zeige ich auf, dass sich moralische Autonomie im Sinne von Onora O’Neill in der Form von Patientenselbsthilfe manifestieren kann und Patientenorganisationen, verstanden als kollektive moralische Akteure, Träger sowohl von Autonomie als auch moralischer Verantwortung sein können.
Mit der Bio- und Medizinethik habe ich mir einen Forschungsbereich ausgewählt, in dem ich angewandte Problemstellungen, aber auch die grundlegenden Fragen dahinter bearbeiten kann. Den Wechsel zwischen angewandter und theoretisch-konzeptueller Perspektive empfinde ich immer wieder als erfrischend. Meine Forschungsfragen setze ich gerne in interdisziplinären Arbeitskontexten um und verbinde sie zudem mit qualitativer Forschung. In meiner Doktorarbeit habe ich zum Beispiel eine qualitative Interviewstudie durchgeführt, um die Perspektiven der betroffenen Patient*innen einzuholen. In meinem aktuellen Projekt nutze ich ebenfalls qualitative empirische Methoden, um die Perspektiven der App-Anwender*innen in meine Forschung einfließen zu lassen. Dabei profitiere ich von meiner philosophischen Ausbildung dahingehend, dass ich zum Beispiel in der Datenanalyse auf konzeptuell-theoretische Arbeitsweisen und Konzepte zurückgreifen kann. Gleichzeitig ist die Frage, wie konzeptuelle und empirische Methoden fruchtbar zusammengebracht werden können, eine Herausforderung, die meine Forschung stetig begleitet.
Neben der Abwechslung, die meine wissenschaftliche Arbeit mit sich bringt, begeistert mich immer wieder die Möglichkeit, Ideen und Projekte aus meinen eigenen Interessen heraus zu entwickeln: Zum Beispiel habe ich das Netzwerk „Junge Medizinethik“ für Nachwuchswissenschaftler*innen mitgegründet, einen Lesekreis für feministische Literatur initiiert und Seminare für Studierende über ethische Fragen der Digitalisierung im Gesundheitswesen konzipiert. Meine Forschung soll sich auch in Zukunft auf den Gebieten Bioethik, Feminismus und Digitalisierung bewegen. In den nächsten Jahren strebe ich eine Habilitation an diesen Schnittstellen an, denn die Überschneidungen dieser Bereiche nehme ich als wichtige Drehstellen wahr, anhand derer ich die Gesellschaft mitgestalten kann.

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Regina Müller, M.A.
Arbeitsgebiet[e]: Angewandte Ethik, Bio-/Medizinethik; Technik/Digitalisierung; Feminismus
Arbeitsstelle: Institut für Ethik und Geschichte der Medizin; Gartenstraße 47, 72074 Tübingen
E-Mail: regina.mueller (at) uni-tuebingen.de
Twitter: @Regina_Mueller_

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