Anna-Maria Asunta Eder

Anna_Maria_EderZurzeit bin ich wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt „A Study in Explanatory Power“ an der Universität Duisburg-Essen. Ab September 2016 forsche ich als Schrödinger Fellow in den USA. Das mehrjährige und großzügig dotierte Schrödinger Fellowship (FWF) habe ich zur Durchführung meines Forschungsprojekts Higher-Order Evidence erhalten. Im Rahmen des Fellowships kann ich für zwei Jahre an der Rutgers University in New Brunswick forschen und im Anschluss daran für ein Jahr an der Universität Salzburg.
Meine Forschungsschwerpunkte liegen in der Erkenntnistheorie, der allgemeinen Wissenschaftstheorie und der Metaphilosophie. Innerhalb der Erkenntnistheorie forsche ich zur epistemischen Normativität, zu Theorien des Wissens und der Rechtfertigung, zu Evidenz höherer Ordnung und zu Meinungsverschiedenheiten im Allgemeinen. In der Wissenschaftstheorie befasse ich mich mit der Beziehung zwischen Erklärung und Verstehen, der Rolle von Forschungszielen und dem Umgang mit Meinungsverschiedenheiten in den Wissenschaften. Innerhalb der Metaphilosophie interessiere ich mich insbesondere für die Methoden zur Klärung philosophischer Begriffe und der Rolle formaler Methoden in der Philosophie. Des Weiteren habe ich Forschungsinteressen in der Geschichte der analytischen Philosophie, in der praktischen Philosophie (insbesondere Entscheidungstheorie und Metaethik) und in der philosophischen Logik. Einige meiner Forschungsergebnisse sind bereits in Zeitschriften wie Erkenntnis, Philosophy and Phenomenological Research und Synthese erschienen. Eine Übersicht über meine Veröffentlichungen findet man hier und dort.
Nach meinem Schulabschluss in Österreich und einem fast einjährigem Aufenthalt in Bolivien, meiner zweiten Heimat, begann ich das Studium der Philosophie am Fachbereich für Philosophie (KGW) der Universität Salzburg. Ich hatte das Glück, dass der Fachbereich eine exzellente Ausbildung in der analytischen Philosophie bietet. Der Schwerpunkt lag und liegt noch immer auf der Vermittlung wichtiger philosophischer Methoden der analytischen Philosophie als auch der Vermittlung der Einsicht, dass präzise Begriffs- und Theorienbildung für philosophischen Fortschritt notwendig ist. Diese Ausbildung prägt bis heute meine Tätigkeit als Philosophin in der Forschung und in der Lehre. Das Diplomstudium der Philosophie an der Universität Salzburg schloss ich mit einer Arbeit zu Systemen der Leeren Logik ab. (Die Leere Logik ist eine Variante der existenzannahmenfreien Logik, die einen leeren Gegenstandsbereich annimmt.) Nach dem Diplomstudium nahm ich zunächst eine Forschungsstelle im Formal Epistemology Project an der KU Leuven, Belgien, an. Kurz darauf wurde mir an der Universität Konstanz eine Stelle als akademische Mitarbeiterin angeboten, die ich annahm. Ich habe zudem an international renommierten Universitäten als Gastwissenschaftlerin geforscht; so zum Beispiel an der University of California in Berkeley (USA), am Munich Center for Mathematical Philosophy an der LMU München und am Fachbereich für Philosophie (KGW) der Universität Salzburg. Mein Doktoratsstudium schloss ich vor Kurzem an der Universität Konstanz ab.
In meiner Doktorarbeit A Study on the Foundations of Theories of Epistemic Rationality untersuche ich die normativen Grundlagen von epistemischen Rationalitätstheorien. Meine Doktorarbeit ist der Metaerkenntnistheorie und normativen Erkenntnistheorie zuzuordnen und behandelt Themen der traditionellen als auch formalen Erkenntnistheorie. Teile der darin erzielten Forschungsarbeiten erschienen bereits in Form von Artikeln, weitere Veröffentlichungen sind in Vorbereitung. In meiner Doktorarbeit argumentiere ich, dass eine adäquate (epistemische) Rationalitätstheorie aus drei Kernbestandteilen besteht: (i) der Charakterisierung von Rationalität bzw. rationalem Glauben (ii) der Spezifizierung des normativen Status von Rationalität und (iii) dem Zweck der jeweiligen Rationalitätstheorie. Ich schlage vor, dass der erste Kernbestandteil durch eine Explikation des Rationalitätsbegriffs und nicht, wie üblich, durch eine Begriffsanalyse gewonnen werden soll. Eine solche Explikation sollte dann die zwei anderen Kernbestandteile berücksichtigen. Ich zeige, dass dieser Ansatz sich als sehr fruchtbar in Bezug auf gegenwärtige Debatten in der Erkenntnistheorie erweist; zum Beispiel in Bezug auf die Internalismus/Externalismus- und die Evidentialismus/Reliabilismus-Kontroverse und in Bezug auf Debatten zum epistemischen Konsequentialismus.
Mein zukünftiges Forschungsprojekt Higher-Order Evidence beschäftigt sich, wie der Titel verrät, mit Evidenz höherer Ordnung (EHO). Gewöhnliche Evidenz, bzw. Evidenz erster Ordnung, ist Evidenz, die etwas direkt über die Welt aussagt. Im Gegensatz dazu informiert EHO über Evidenz niederer Ordnung. Evidenz über Meinungsverschiedenheit oder über die Unzuverlässigkeit menschlichen Räsonierens in Bezug auf deduktives Schließen werden in der einschlägigen Literatur oft als Beispiele für EHO präsentiert. Es stellt sich bei dieser Evidenz die Frage, inwiefern sie den Rechtfertigungsstatus einer gewöhnlichen Meinung über die Welt beeinflusst. Trotz der großen Bedeutung von EHO, gibt es keine allgemein akzeptierte Charakterisierung und auch keine Einteilung unterschiedlicher Arten von EHO. Daher gibt es auch keine solide Grundlage, um den Einfluss von EHO auf den Rechtfertigungsstatus einer Meinung zu diskutieren. Hauptziel meines Forschungsprojektes ist es, eine Theorie von EHO zu entwickeln und deren Rolle für rationales Räsonieren darzulegen. Das Projekt besteht dabei aus drei Teilprojekten, die sich jeweils mit folgenden Themenbereichen beschäftigen: (i) Charakterisierung und Taxonomie von EHO, (ii) EHO und Meinungsverschiedenheit und (iii) EHO und deduktives Schließen.
Mehr Informationen zu meiner Person, meiner Forschung und meinen sonstigen wissenschaftlichen Aktivitäten kann man hier finden.