Simone Heinemann

Simone Heinemann

Simone Heinemann

Zurzeit bin ich wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Philosophie an der Ruhr-Universität Bochum – Arbeitsbereich Angewandte Ethik und am Institut für Philosophie und Politikwissenschaft an der TU Dortmund – Lehrstuhl Praktische Philosophie. In Bochum koordiniere ich als Geschäftsführerin den interdisziplinären Masterstudiengang “EELP”, „Ethics – Economics, Law and Politics“.

Nach meinem Abitur habe ich zunächst eine Ausbildung zur Bankkauffrau und danach etwa ein Jahr Praktika in den USA und Frankreich absolviert. Im Anschluss habe ich ein Bachelorstudium in Philosophie, Medienwissenschaft und ein Masterstudium in „Europäischer Kultur und Wirtschaft (ECUE)“ abgeschlossen. Nach einem Forschungsaufenthalt an der Université Catholique de Louvain-la-Neuve (bei Phillipe van Parijs) habe ich 2013 an der Ruhr-Universität Bochum im Bereich der Angewandten Ethik promoviert.

Meine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Wirtschaftsethik, insbesondere der Ethik der Finanzmärkte, in der Risikoethik und der politischen Philosophie.

Während meiner Promotion habe ich versucht, eine Risikoethik für den Finanzmarkt zu entwickeln und mich dazu speziell mit den Risiken beim Handel mit Finanzderivaten beschäftigt. Finanzderivate können sehr nützlich für wirtschaftliches Handeln sein, sie können aber auch gefährliche Mechanismen zur Risikoübertragung und -verteilung auf Finanzmärkten darstellen, wie sich u.a. vor und während der Finanzmarktkrise 2007-08 gezeigt hat. Ausgangspunkt meiner Arbeit war die Beobachtung, dass sich Finanzakteure, insbesondere die Entscheidungsträger in den Finanzinstitutionen, immer mehr mit Fragen der moralischen Verantwortbarkeit ihres Handelns und den damit verbundenen Risiken auseinandersetzen müssen, sei es, dass sie sich selbst solche Fragen stellen, sei es, dass sie von einer kritischer werdenden Öffentlichkeit dazu gezwungen werden. Ich habe anhand der beiden Hauptansätze der normativen Ethik, dem Utilitarismus und den rechtebasierten Theorien, Kriterien für einen moralisch akzeptablen Umgang mit Finanzmarktrisiken erarbeiten können. Aus ethischer Sicht sind dazu nicht nur die bereits eingetretenen Schäden durch risikobehaftete Produkte und Handlungen auf Finanzmärkten von Bedeutung. Vielmehr gilt es schon im Hinblick auf den Umgang mit Finanzmarktrisiken selbst, d.h. ex ante, danach zu fragen, ob bereits das Eingehen der Risiken moralisch gerechtfertigt werden kann: Welchen Finanzrisiken dürfen wir andere Personen aussetzen? Von welchen Faktoren hängt die Akzeptabilität der Risiken und der Risikoübertragungen ab? Wie können Risikoübertragungen ex ante angemessen reguliert werden? Meine Dissertation wurde 2014 unter dem Titel „Ethik der Finanzmarktrisiken am Beispiel des Finanzderivatehandels“ im Mentis Verlag veröffentlicht.

Nach meiner Promotion habe ich mich weiterhin im Bereich der Wirtschaftsethik mit dem Begriff der Spekulation im Verhältnis zum Begriff des Spiels, mit finanzmarktpolitischer Regulierung von Finanzderivaten und dem Problem der Staatsverschuldung aus ethischer Sicht auseinander gesetzt.

Im Moment arbeite ich an einem neuen Projekt, das sich mit den ethischen Dimensionen von Big Data, d.h. großen und komplexen Datenmengen, sowie deren Speicherung und Verwertung beschäftigt. Neue Technologien ermöglichen zunehmend Einblicke in persönliche Informationen, die in vielen Fällen preisgegeben werden, ohne dass die Anwender darüber informiert sind, z.B. während der Recherche im Internet. Kaufgewohnheiten, Interessen, finanzieller Status etc. werden von Webseiten aufgezeichnet und verwendet, um dem Anwender individualisierte Werbung zukommen zu lassen („consumer profiling“). Das Projekt soll der Frage nachgehen, ob es ein Recht auf die eigenen Daten gibt, und wenn ja, wie ein solches Recht begründet werden kann und welche Pflichten seitens der datensammelnden Konzerne bestehen. Mich interessiert dabei besonders das Verhältnis zwischen einem solchen Recht auf persönliche Informationen und dem Schutz der Freiheits- und Privatsphäre.

Weitere Infos und eine Liste meiner Veröffentlichungen finden sich auf meiner Webseite.

Federica Gregoratto

Federica Gregoratto © gregoratto

Federica Gregoratto © gregoratto

Seit Juli 2013 bin ich wissenschaftliche Mitarbeiterin im Exzellenzcluster „Die Herausbildung Normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Meine Forschung und Lehre bewegen sich im Bereich Sozial- und politischer Philosophie.

Ich wurde 1983 im Nordosten Italiens geboren und außer kurzen Aufenthalten im Ausland (Paris, Berlin, Frankfurt) habe ich meine ganze universitäre Ausbildung in Italien durchlaufen. Ich habe BA, MA und Promotion für Arbeiten über Autoren und Themen der Kritischen Theorie erhalten. In meiner BA-Arbeit (2006) habe ich mich mit Adornos Theorie der Mimesis als begrifflichem Vorbild der Intersubjektivität beschäftigt, während die MA-Arbeit (2008) einer Auseinandersetzung zwischen Adorno und Habermas gewidmet war. In meiner im Jahr 2012 an der Ca’ Foscari-Universität Venedig abgeschlossenen und verteidigten Promotionsarbeit habe ich mich noch weiter mit Habermas sozialkritischem Projekt auseinandergesetzt, das ich in seinem ganzen Werk analysiert habe.

Die in der MA-Arbeit skizzierte Idee einer Adornianischen Deutung von Habermas bleibt die Grundintuition der Dissertation, die 2013 mit dem Titel „Il doppio volto della comunicazione“ („Das Doppelgesicht der Kommunikation“) beim Verlag Mimesis (Mailand) veröffentlicht wurde. Ich habe dort die These verteidigt, dass sich die rationale kommunikative Praxis, die Habermas zufolge die normative Grundlage der Gesellschaftskritik bildet und das von Adorno ausgearbeitete „Dilemma“ der immanenten Kritik auflöst, in der Tat als ambivalent oder sogar dialektisch erweist. Wie sich leicht am frühen Werk aber auch teils am späteren rekonstruieren lässt, besteht die Habermassche kommunikative Vernunft in einem Geflecht von Macht und Gültigkeit, Herrschaft und Emanzipation, Gewalt und Freiheit. Die idealisierenden Voraussetzungen des kommunikativen und diskursiven Handelns sind also nicht als normative Kriterien der Gesellschaftskritik unmittelbar anzusehen, da solche Kriterien in bestimmten sozialen und diskursiven Praktiken neu auftauchen und aber auch immer wieder in Frage gestellt werden. Das kontrafaktische Gerüst der Kommunikation hat aber die Funktion, innerhalb der Faktizität des Sozialen eine Kluft zwischen Idealem und Realem zu öffnen, die der Möglichkeit der emanzipatorischen und transformativen Praxis entspricht.

Nach einem Jahr als wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl für Philosophiegeschichte an der Universität Venedig (2012-2013), habe ich meine aktuelle Stelle in Frankfurt angetreten. Obwohl die Goethe-Universität nicht komplett neu für mich ist, da ich schon während der Promotion ein paar Semester als Gastwissenschaftlerin in Frankfurt verbracht hatte, hat mit dieser Stelle eine neue Phase meiner wissenschaftlichen Arbeit angefangen. Wenn während meiner Ausbildung die Hauptfrage, die mich am meisten beschäftigte, etwa „Wie ist Gesellschaftskritik möglich“ lautete, interessiert mich zurzeit eher die ontologische und immanent normative Konstitution von konkreten einzelnen sozialen Verhältnissen.

In meinem aktuellen Projekt versuche ich hauptsächlich zu verstehen, was Liebe als soziale Beziehung ist und warum Macht als konstitutiver Bestandteil einer solchen Beziehung zu betrachten ist. Anhand von psychoanalytisch informierten Anerkennungstheorien (insb. Melanie Klein, Jessica Benjamin und Axel Honneth) beschreibe ich Liebe als ein Interdependenzverhältnis, das in einem Prozess besteht, in dem die Liebenden ihre Wünsche, Bedürfnisse, Zwecke, Projekte und Identitäten gegenseitig und gemeinsam herstellen, verändern und befriedigen. Nach dem prozessualen Begriff der Interdependenz, den ich entwickeln will, sind die Liebenden gegenseitig voneinander abhängig; zugleich versuchen sie immer wieder, sich als unabhängig zu behaupten. Eine wichtige Rolle in dieser Konstellation spielt für mich die Idee von „care-work“.

Eine vielfältige Machtkonzeption möchte ich an dieser Stelle herausarbeiten, um eine solche Liebesbeziehung besser zu begreifen. Ich schlage vor, Macht als eine Mischung von power to und power over zu verstehen, die eine Ambivalenz zwischen ausbeuterischen und empowering Potentialen ausmacht (vor allem sind die Machtüberlegungen von Amy Allen und Rainer Forst hier inspirierend.) Ich versuche damit eine Theorie der Liebe zu entwerfen, die es vermag, erstens, die feministischen Zweifel an der Anerkennungstheorie aufzunehmen und, zweitens, im Gegensatz zu manchen feministisch-queeren Kritiken, die Idee der Liebe als Form des guten Lebens zu bewahren.

Ein wichtiger Teil dieses Projekts besteht in der sowohl empirischen als auch begrifflichen Analyse von „intimate femicide“ (oder „feminicide“): ein Phänomen nämlich, das überzeugend zeigt, wie unter Bedingungen der andauernden Geschlechtsherrschaft und Heteronormativität die Machtdynamiken der Liebe zu extremen Formen der Gewalt führen (können).

Nach einer allgemein akzeptierten Definition bedeutet femicide „die Ermordung einer ‚Frau’, weil sie eine ‚Frau’ ist.“ Aus dieser Definition entstehen einige begriffliche Probleme, vor allem die in der Geschlechtsforschung grundlegendende und höchst umstrittene Frage nach der „Natur“ des Geschlechts. Was ist eine ‚Frau’ (oder ein ‚Mann’)? Worin besteht das Geschlecht? Ich möchte diese Frage in Bezug auf die aktuellen „material feminism“-Debatten und mit Hilfe eines von Hegel und Dewey inspirierten Naturalismus untersuchen: Mein Ziel ist etwa zu zeigen, wie sich ‚Geschlechter’ aus einer dialektischen Interdependenz zwischen der „ersten“ und der „zweiten“ Natur ergeben.

Mein Interesse für Machttheorien erschöpft sich nicht nur in den Untersuchungen über Liebe und Geschlecht; ich habe auch vor, jene die aktuelle Phase des Kapitalismus bestimmenden Interdependenzverhältnisse, nämlich die Gläubiger-Schuldner-Verhältnisse, anhand von Nietzsche, Marx und Deleuze als Machtbeziehungen zu begreifen.

Ich interessiere mich auch sehr für Filme und manchmal schreibe ich kleine, wenig anspruchsvolle, philosophische Filmrezensionen. Ich habe bisher z.B. über Lars von Trier, Batman und vor allem Bernardo Bertolucci geschrieben.

Hier findet ihr meine Kontaktdaten und hier meine Arbeiten.