Mari Mikkola

Mari MikkolaIch bin seit dem Wintersemester 2010 Juniorprofessorin für Praktische Philosophie an der HU Berlin mit systematisch feministischer Philosophie als Forschungsschwerpunkt (insbesondere zu den Themen Gender und Pornographie). Zudem habe ich auch Forschungsinteressen in Sozialphilosophie und -ontologie und dem Deutschen Idealismus. Ich bin relativ neu in der deutschen Philosophie: Meine Staatsangehörigkeit ist finnisch, und akademisch bin ich in Großbritannien „aufgewachsen“. Sowohl die deutsche Gesellschaft als auch der akademische Betrieb (und darüber hinaus auch die deutsche Sprache) waren für mich bei meinem Dienstantritt somit größtenteils neu. Ich habe Philosophie und Politik (1997-2000) an der Universität York studiert. Danach promovierte ich 2005 in Philosophie an der Universität Sheffield mit einer Arbeit über analytische feministische Philosophie. Nach meiner Promotion war ich drei Jahre als Philosophie-Lecturer an der Universität Stirling (GB) tätig und hatte für zwei Jahre eine Lecturer-Position an der Universität Lancaster (GB) inne.

Feministische Philosophie als Teil der Philosophie ist in Deutschland relativ unbekannt. Dies trifft besonders auf die Art von feministischer Philosophie zu, die analytische Methodik anwendet. Obwohl meine akademischen Interessen breit gefächert sind und philosophische Grenzen überschreiten, ist meine Forschungsmethodik doch eindeutig systematisch orientiert, und ich verwende typische analytische Methoden wie etwa Begriffsanalyse. Während analytisch geprägte feministische Philosophie in Deutschland kaum zu finden ist, wurde sie in den letzten zwei Jahrzehnten im englischsprachigen Raum als eigenständiger Philosophiebereich etabliert und anerkannt. Ich verstehe solche Philosophie folgendermaßen: Sie kombiniert (1) die praktische Orientierung des Feminismus, verstanden als eine politische Bewegung zur Beendigung der Ungerechtigkeiten auf Grund der Gruppenzugehörigkeit bzgl. Sex (biologisches Geschlecht) oder Gender, und (2) die typische theoretische Methodik der Philosophie, in meinem Falle besonders die Methodik der analytischen Philosophie. Meiner Ansicht nach bezweckt feministische Philosophie einerseits, mit Hilfe typisch philosophischer Werkzeuge allgemeine sexistische Sozialarrangements zu kritisieren, und anderseits, ‚Mainstream’-Philosophie auf Basis feministischer politischer Einsichten mitzugestalten. Feministische Philosophie stellt herkömmliche philosophische Einsichten in Frage und verwendet philosophische Methoden, um politisch wichtige Begriffe auszubuchstabieren und näher zu erläutern. Feministische Philosophie, so meine ich, heißt politisch informierte philosophische Untersuchung.

Meine philosophische Forschung zum Thema Gender habe ich schon mit meiner Doktorarbeit begonnen, deren Leitfragen lauteten: Wie können wir Gender-Begriffe in einer politisch wirksamen Weise verstehen? Wie sollten wir die soziale Kategoriezugehörigkeit von Frauen begreifen? Viele feministische Philosoph_innen halten diese Fragen für politisch entscheidend: Wenn wir sie nicht beantworten können, fehlt dem Feminismus sein Gegenstand, und wenn wir den Gegenstand von Feminismus nicht begreifen können, dann verlieren wir die notwendigen politischen Grundlagen zur Rechtfertigung feministischer Ansprüche. Meine Doktorarbeit thematisierte diese sprachphilosophischen und metaphysischen Themenkomplexe in Bezug auf das Problem von Gender. Allerdings hat sich mein Denken über Gender-Themen seitdem in eine andere Richtung entwickelt. Ich halte es nun nicht mehr für entscheidend, eine Antwort auf das Gender-Problem zu geben. Vielmehr (so denke ich jetzt) ist es relativ unwichtig für wirksame feministische Politik, ob wir einen inhaltlich substantiellen Begriff von Frau ausbuchstabieren können. Eine solche Fokussierung auf Begriffe von Gender und Frauen kann meiner Ansicht nach nicht die notwendige normative Grundlage für den Feminismus liefern; deshalb muss diese Grundlage anders untermauert werden. Ich schlage in diesem Zusammenhang den Begriff der Entmenschlichung als normative Basis vor, und ich bin der Ansicht, dass feministische Politik und Ethik mit Bezug auf diesen Begriff neu ausgerichtet werden sollten. Dies ist eine Hauptthese meines Buches The Wrong of Injustice: Dehumanisation and its Role in Feminist Philosophy (in Arbeit).

Auch schließe ich mit meiner Arbeit an die langjährige Debatte über die Unterdrückung und das Zum-Schweigen-Bringen (silencing) von Frauen durch Pornographie an. In meinem jüngsten Forschungsvorhaben stelle ich dar, dass aktuelle Diskussionen, die oft auf die Arbeit von Catharine MacKinnon und Rae Langton verweisen, das Wesen von Pornographie missverstehen. Unter anderem wird in der philosophischen Behandlung des Themas oft nicht ernst genommen, eine wie große Industrie Pornographie mittlerweile geworden ist. Philosophische Diskussionen ignorieren ebenfalls oft die (sogenannte) ‚alternative Pornographie’, die aus feministischer Perspektive produziert wird und industrielle Pornographie zu zersetzen versucht. Viele Antworten zu den Problemen rund um Pornographie fehlen noch – nicht nur auf politischer, sondern auch auf konzeptueller Ebene. Daher veranstaltete ich im September 2013 mit Cathrin Höfs und Hilkje Hänel die Tagung Feminist Philosophy and Pornography.

Weitere Details zu meinen Aufsätzen (und Links zu Abstracts) finden sich auf meiner Website (LINK). Dort finden sich auch Informationen zu der Symposiumreihe Feminist Philosophy and…, im Rahmen derer ich schon mehrere internationale Tagungen veranstaltet habe. Für weitere Veranstaltungen, watch that space!