Birgit Benzing

Birgit Benzing  © privat

Birgit Benzing © privat

Derzeit bin ich Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Kassel und promoviere in einem interdisziplinären Projekt zur Mensch-Tier-Beziehung. Meine Dissertation befasst sich mit Methoden und Methodologien der Tierwohlforschung. Ich untersuche zunächst, mit welchen Methoden das tierliche Wohlbefinden erfasst und interpretiert wird und wie sich methodische Veränderungen entwickeln. In einem zweiten Teil analysiere ich, welche Konzepte über das emotionale Vermögen von Tieren zum Einsatz kommen. Und schließlich interessiert mich, welche methodologische Vorannahmen über die wissenschaftliche Zugänglichkeit emotionaler Zustände bei Tieren der Methodenwahl zugrunde liegen. Damit bewege ich mich einerseits in der Nutztierethologie – einem angewandten Forschungsfeld, das Auswirkungen auf das Leben zahlreicher Nutztiere in unserer Gesellschaft hat; andererseits in der Philosophie der Biologie und Biophilosophie.
Dieses interdisziplinäre Forschungsinteresse spiegelt sich in meiner Ausbildung wieder. Zunächst habe ich Biologie mit dem Schwerpunkt Verhaltensforschung in Konstanz und Bielefeld studiert. Meine Diplomarbeit befasste sich mit der Raumökologie der Nachtigall. Anschließend habe ich mehrere Jahre im internationalen Artenschutz gearbeitet, zuletzt als Geschäftsführerin einer Stiftung. Parallel dazu führte ich das Studium der Philosophie mit den Schwerpunkten Naturschutzethik und Wissenschaftstheorie fort, ebenfalls an der Universität Bielefeld. In meiner Magisterarbeit untersuchte ich die Frage, ob sich Zoologische Gärten über ihre Artenschutzaktivitäten legitimieren können.
Nach Abschluss des Philosophiestudiums habe ich die berufliche Praxis verlassen und bin in die universitäre Forschung gewechselt. Als Akademische Angestellte an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen wirkte ich an einem Gutachten für das Bundesamt für Naturschutz mit, das die Bedeutung von Gerechtigkeitsfragen für den Naturschutz auslotete; die zugehörige Publikation erschien im Jahr 2013. Nach einer Fortbildung an der Universität Perugia (Italien) begann ich 2014 mit meiner oben kurz dargestellten Promotion.
Als ich vor beinahe 15 Jahren anfing, Philosophie und Biologie miteinander zu kombinieren, galt das als ziemlich ungewöhnlich und ich wurde oft gefragt, was die beiden Forschungsbereiche denn miteinander zu tun hätten. Kurz danach gab es einen „Boom“ in der interdisziplinären Forschung im Allgemeinen und dieser Kombination im Besonderen. Persönlich habe ich in meiner ethologischen Forschung und in meiner Naturschutztätigkeit enorm von philosophischen Überlegungen profitiert, beispielsweise die Argumente und Konzepte kritisch zu durchleuchten. Ebenso bin ich davon überzeugt, wer sich mit philosophischen Fragen zu lebensweltlichen oder wissenschaftstheoretischen Themen auseinandersetzt, tut gut daran, die lebensweltliche und Forschungs-Praxis zu kennen.
Mein bisheriger beruflicher Weg entspricht vielleicht nicht dem Standard, da ich den Weg von der Universität in die Praxis und zurück an die Universität gegangen bin. Manchmal – öfters – werde darauf hingewiesen, dass ich mit Mitte 30 für eine Forschungslaufbahn eigentlich bereits zu alt sei. Und die Jahre der Berufspraxis in meinem CV rufen zuweilen Stirnrunzeln hervor. Ich habe jedoch von Philosophen und anderen Wissenschaftlern außerhalb Deutschlands positive Rückmeldung erfahren und auch meine Dozenten haben mich stets unterstützt. Nicht zuletzt habe ich meine Forschungsstellen auch und gerade wegen meiner inter- und transdisziplinären Kenntnisse erhalten und die Projekte erfolgreich umsetzen können. Ich möchte jede angehende Philosoph_in ermuntern, sich nicht von Altersgrenzen bei der Stipendienvergabe und ähnlichen Beschränkungen beeindrucken zu lassen, wenn sie bei der Beschäftigung mit philosophischen Fragen Feuer gefangen hat!
Bei SWIP Germany bin ich im Vorstand aktiv und betreue den Arbeitskreis Botschafterinnen und den in Entstehung befindlichen Arbeitskreis Philosophinnen in der Lebenswelt.
Veröffentlichung:
Eser, U; Benzing, B. & Müller, A. (2013): Gerechtigkeitsfragen im Naturschutz. Was sie bedeuten und warum sie wichtig sind. Reihe: Naturschutz und Biologische Vielfalt [NaBiV] Nr. 130, Hrsg.: Bundesamt für Naturschutz (BfN), Landwirtschaftsverlag, Münster

Beate Krickel

Beate Krickel  © privat

Beate Krickel © privat

Ich arbeite seit April 2015 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Philosophischen Institut II der Ruhr-Universität Bochum. Promoviert habe ich bei Geert Keil an der HU Berlin, wo ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin gearbeitet habe. Meinen Bachelor habe ich an der Universität Osnabrück im Fach Cognitive Science gemacht; meinen Master in Philosophie an der WWU Münster.
Meine Forschungs- und akademischen Interessenschwerpunkte liegen in der Philosophie des Geistes, der Wissenschaftstheorie (vor allem der Biologie und der Psychologie) und der Metaphysik. In meiner Doktorarbeit habe ich mich mit dem Begriff des biologischen Mechanismus beschäftigt. In meinem Habilitationsprojekt soll es um psychologische Erklärungen und die Rolle des Unbewussten gehen. Beide Projekte und deren Zusammenhang will ich kurz erläutern.
Die Metaphysik der (biologischen) Mechanismen
In meiner Doktorarbeit habe ich unter dem Titel „The Metaphysics of Mechanisms“ untersucht, was unter einem biologischen Mechanismus zu verstehen ist bzw. wie dieser Begriff verstanden werden sollte. Die sogenannten „neuen Mechanisten“ behaupten nämlich, dass eine Wissenschaftstheorie der Einzelwissenschaften (besonders der Lebenswissenschaften) nicht ohne den Begriff des Mechanismus auskommen kann: Erklärungen, Vorhersagen, Modellierungen, Interventionen, Kausalität, Kontrafaktische Konditionale, usw. lassen sich nur adäquat philosophisch analysieren, wenn angenommen wird, dass es (biologische) Mechanismen in der Welt gibt, die die zu erklärenden Phänomene hervorbringen und die von Wissenschaftler_innen untersucht und beschrieben werden können. Es hat sich gezeigt, dass der neue mechanistische Ansatz eine brauchbare, deskriptiv-adäquate Analyse vieler Einzelwissenschaften bietet.
Mein Interesse an diesem Ansatz basierte vor allem auf der Tatsache, dass die neuen Mechanisten behaupten, in irgendeinem Sinne eine nicht-reduktive Analyse von biologischen und kognitiven Phänomenen zu liefern. Ich habe mich daher gefragt: Wenn die neuen Mechanisten recht haben und höherstufige Phänomene (wie biologische oder kognitive Phänomene) durch Mechanismen erklärt und von diesen hervorgebracht werden und diese Analyse gleichzeitig nicht-reduktiv sein soll – bieten sich hier neue Ressourcen für die Gehirn-Geist Debatte? Könnte man auf der Grundlage des neuen mechanistischen Ansatzes für einen nicht-reduktiven Physikalismus argumentieren?
Leider musste ich schnell feststellen, dass diese Fragen nicht ohne Weiteres beantwortbar sind. Viele Thesen der neuen Mechanisten sind zu vage, mehrdeutig oder gar inkonsistent um zu bestimmen, welches metaphysische Bild dieser Ansatz mit sich bringt. In meiner Doktorarbeit habe ich eine Theorie des biologischen Mechanismus entwickelt, die dieses Problem löst. Kurz zusammengefasst, klingt meine These in etwa so: Mechanismen sind regelmäßige oder rückwärts-regelmäßige Kausalketten, die aus organisierten Entitäten-involvierenden Okkurenten (EIOs) bestehen, die Phänomene entweder verursachen oder konstituieren, wobei letzteres bedeutet, dass die Bestandteile der Mechanismen (die EIOs) die zeitlichen Teile des Phänomens verursachen (wobei diese Phänomene ontologisch betrachtet auch EIOs sind). Die eigentliche Arbeit – die Konsequenzen für die Philosophie des Geistes zu untersuchen – kann nun also beginnen.
Psychologische Erklärungen und das Unbewusste
Ich stehe momentan am Anfang meines Habilitationsprojektes. In einem bestimmten Sinne soll es auch hier wieder um Mechanismen gehen – um psychologische Mechanismen bzw. psychologische Erklärungen, die sich auf solche Mechanismen beziehen. Psychologische Mechanismen scheinen  bestimmte bemerkenswerte Eigenschaften zu haben: Erstens spielen sie sich auf der personalen Ebene ab, d.h. wir können sie angemessen mit unserem alltagspsychologischen Vokabular beschreiben (mit Ausdrücken wie „Überzeugung“, „Wunsch“, „Gefühl“, etc.). Zweitens scheinen unbewusste Zustände eine Rolle zu spielen. Das psychologische Phänomen stereotype threat zum Beispiel könnte erklärt werden durch den Verweis auf eine unbewusste Angst, die sich einstellt, wenn man auf seine Zugehörigkeit zu einer stereotypsierten Gruppe geprimt wird. Ich werde Beispiele wie dieses (und ego defense mechanisms, terror management, implicit bias) untersuchen und analysieren, wann Psychologen von „psychologischen Mechanismen“ reden und was sie damit meinen. Zudem muss geklärt werden, was Psychologen unter „unbewussten Zuständen“ verstehen und wie man die philosophischen Redeweisen von „personal level“, „unconscious“, „mental“ und „psychological“ im Kontext tatsächlicher psychologischer Erklärungen analysieren sollte.
Weitere Informationen, Veröffentlichungen etc. gibt es hier: www.beatekrickel.com. Ich freue mich  über Kommentare, Anregungen, Fragen, usw.